Patagonien Rundreise

Dieser Bericht unserer Patagonien Rundreise erscheint hier als Tagebucheintrag. Unsere Reise nach Patagonien fand im März 2020 statt, als weltweit das Coronavirus Covid-19 ausbrach. Unsere Patagonien Rundreise konnte daher nicht wie geplant stattfinden und nahm unterwegs eine für uns schwierige und sehr unvorhersehbare Wendung. Während unserer Zeit in Patagonien habe ich täglich Tagebuch geführt und gerne möchte ich diese emotionale Reise mit euch teilen.

6. März 2020

Nach der Arbeit ging es mit dem Bus direkt los zum Zürich Flughafen. Der erste Flug von Zürich nach Rom war kurz und schmerzlos. Dann folgte der 14h Flug von Rom nach Buenos Aires, Argentinien. Da es ein Nachtflug war, ging die Zeit super schnell um.

7. März 2020

Im Flugzeug wurden Zettel verteilt. Man musste ausfüllen, ob man in den letzten Tagen krank war. Leider war ich zu ehrlich und hätte es verschweigen sollen, dass ich krank war und noch leichten Husten hatte. Als wir landeten, kam eine Mannschaft ins Flugzeug, alle mit blauen Kitteln, Handschuhen, Mund- und Augenschutz. Jeder Passagier musste seinen Zettel abgeben. Mir wurde direkt Fieber gemessen und ich durfte aufstehen und vorsprechen. Bedauerlicherweise verstand niemand Englisch und es entstand Aufregung. Mit Händen und Füssen habe ich erklärt, dass ich kein Coronavirus habe, und ich durfte glücklicherweise in Argentinien einreisen. Nachdem wir eine Stunde im Flugzeug warten mussten und noch eine weitere Stunde an der Passkontrolle, ging es dann mit dem öffentlichen Bus vom Flughafen in die Stadt nach Buenos Aires.

Wir bezogen unsere kleine Unterkunft mit einem Bad auf dem Flur. Unsere Gastgeberin war sehr nett und Marco verstand sich super mit einem Mix aus Italienisch und Spanisch mit ihr. Nachdem wir unser Zimmer im Hotel El Pibe* bezogen haben, machten wir uns frisch und gingen direkt in die Stadt. Wir besuchten den grossen Plaza de Mayo, die Kathedrale und den Hafen und liessen den Abend ausklingen.

8. März 2020

Nachdem Aufstehen ging es erneut direkt in die Stadt. Wir frühstückten schön und schlenderten am Bahnhof entlang und machten einen langen Spaziergang im Naturschutzgebiet direkt vor Buenos Aires. Um 3 drei Uhr liefen wir zurück in unsere Unterkunft* und weiter zum Flughafen. Es ging weiter nach Ushuaia – Feuerland. Um circa 22.15 Uhr landeten wir in Ushuaia. Ein kleiner Flughafen mit nur einem Gepäckband. Mit dem Taxi waren wir in weniger als 15 Minuten in unserer Airbnb-Unterkunft bei Willy angekommen. Willy lebt seit 50 Jahren in Ushuaia, er stammt ursprünglich aus Chile und vermietet 3 seiner Zimmer an Gäste. Er zeigte uns sein Haus und war sehr gastfreundlich. Wir gingen noch raus in den kleinen Ort und landeten auf zwei Bier im Hardrock Café. 

9. März 2020

Nachdem wir lange geschlafen haben, ging es direkt in die Stadt Ushuaia. Ziel war es, den möglichst günstigsten Anbieter für eine Schiffsreise zu finden. Bei Tolkeyen Patagonia fanden wir unser Glück und buchten eine Expeditionskreuzfahrt von Ushuaia, Argentinien bis nach Punta Arenas, Chile. Vier Nächte all-inclusive, aber ohne Handy Empfang und Internet. Am Mittwoch, 11. März 2020, sollte es losgehen.

10. März 2020

Um 8 Uhr am Morgen standen wir auf, machten uns Frühstück und gingen los. Wandern im Parque Nacional Tierra del Fuego (Feuerland). Da der Park etwas ausserhalb lag, wollten wir es per Anhalter versuchen. Gar nicht so einfach. Ein kleiner Bus nahm uns mit, aber nur für einen Teil der Strecke. Danach gingen wir ein Stück zu Fuss und hatten dann das Glück, dass uns ein paar Studenten aus Buenos Aires mit bis zu unserem Ziel nahmen. Als Andenken wollten sie auch unbedingt ein Foto mit uns. Wir hatten eine tolle 13 km Wanderung entlang der Küste, bis zum Ende der Strasse, die dann auch wirklich das Ende der Welt war, weiter ging es hier nicht – Lapataia hiess der Ort.

Zurück ging es dann mit dem Touristenbus, denn Willy wartete mit einem tollen Essen auf uns. Er war früher Koch und wollte für uns kochen. Mit feinem argentinischem Wein liessen wir es uns schmecken und den Abend ausklingen. 

11. März 2020

Leider hatte Marco keine gute Nacht. Magenverstimmung und die Temperatur erhöht. Wir fragten Willy, ob wir noch am Abend, bis unser Schiff abfuhr, bei ihm bleiben können. Um 16 Uhr brachten wir unser Gepäck zur Abgabe. Ich lief noch schnell mit unseren Pässen in die Touristeninformation – dort konnte man sich einen Stempel abholen, der bestätigt, dass man am südlichsten Ende der Welt war. Ab 18 Uhr durften wir das Schiff Stella Australis betreten. Wir wurden sehr herzlich begrüsst und es gab eine Ansprache und Einweisungen durch das gesamte Team. Alles sehr gut und professionell organisiert. Marco ging ins Bett. Das Abendessen fiel für ihn aus und ich ass im Zimmer. Die erste Nacht auf unserer Kreuzfahrt startete somit nicht so gut. Durch den hohen Wellengang war es auch sehr unruhig. 

12. März 2020

Um 6 Uhr am Morgen klingelte schon der Wecker. Über Nacht erreichten wir Kap Horn. Marcos Temperatur ging zum Glück runter, aber er war noch sehr schlapp.

Trotzdem ging es um 6.40 Uhr los. Kleiner Snack und dann eine kurze Einführung durch die Crew. 10 Grad Celsius und 8 Knoten – wir sollten uns warm anziehen und am besten immer mit Regenfester Kleidung. Ohne unsere Rettungsweste durfte niemand an Land. Vom Schiff an Land geht es immer mit einem sogenannten Zodiac. Bevor wir das kleine Boot betreten durften, mussten wir die Nummern (es war unsere Zimmernummer), die an unserer Rettungsweste angebracht waren, in einem kleinen Holzkasten hängen, bei Rückkehr im Schiff dann dort wieder abholen. So hatte die Crew eine Übersicht, falls jemand fehlen sollte, oder vom Landgang noch nicht zurückgekehrt ist. Es gab klare und strikte Anweisungen, wie wir das Zodiac betreten mussten, uns darin bewegen und aussteigen sollten. Jeder Schritt musste eingehalten werden, damit bei dem hohen Wellengang niemand von Board geht.

Als wir am Kap Horn mit dem Zodiac ankamen, brauchte es fünf Helfer, um das Boot an Land zu halten, damit wir aussteigen konnten. Zwei davon waren sogar mit Taucheranzug im Wasser. Über mehrere Stufen ging es hoch bis zum Aussichtspunkt. Dort stand ein Monument, welches einen Albatros darstellt. Er steht für alle verunglückten Schiffsfahrer vor Kap Horn, denn man sagte, diese kommen als Albatros wieder. Da bei Kap Horn der Pazifische auf den Atlantischen Ozean trifft, ist die See dort sehr rau, und früher passierten hier viele Schiffsunglücke. Weiterhin liefen wir zum Leuchtturm, der immer noch von Hand betrieben wird, in dem einzigen Haus und der einzigen Familie mit zwei Kindern, die dort leben.

Um 8.30 Uhr waren wir zurück auf dem Schiff und es gab ein grosses und reichhaltiges Buffet – für Marco leider nur ein Toast mit Butter und einen Tee. Um 10.15 Uhr gab es eine Einweisung zur Wulai Bay, unseren Halt am Nachmittag, sowie für den Pia Gletscher, den wir am nächsten Morgen besichtigten. Nach den Einweisungen wurde ein Kurzfilm zu Ernest Shackleton‘s Antarctic Adventure gezeigt. Er fuhr 1914 mit seinem Schiff Endurance sowie 26 Männern und 50 Schlittenhunden zur Antarktis. Nach dem Film gab es eine Führung auf der Brücke beim Captain. Super interessant und man konnte alles fragen und fotografieren.

Um 13 Uhr gab es Mittag mit einem ausreichenden Buffet und sehr leckerem Dessert. Wir gingen nach dem Essen zu einem kleinen Spaziergang auf das Aussendeck und sahen prompt Robben und Delfine im Wasser schwimmen.

16 Uhr ging es zum nächsten Landgang, wieder mit dem Zodiak zur Wulaia Bay. Dort entdeckte Robert Fitzroy die ersten Ureinwohner, die Yámana/Yagan. Ein Volk mit circa 3000 Menschen. Neben diesen gab es in Patagonien noch weitere. Die Geschichte war sehr beeindruckend und nach einer kleinen Wanderung hatten wir eine tolle Sicht auf die Bucht. Am Abend genossen wir unser 5-Gang-Menü und gingen zeitig ins Bett. 

13. März 2020

Nachdem es Marco nun besser ging, war meine Nacht sehr bescheiden. Die Nacht verbrachte ich auf dem WC und am Morgen übergab ich mich mehrmals. Frühstück viel aus. Um 9 Uhr ging es mit dem Zodiac zum Pia Gletscher. Marco machte dort noch eine kleine Wanderung mit; Ich blieb am Gletscher und wartete. Fast alle paar Minuten brach Eis vom Gletscher ab und machte wahnsinnigen Krach und teilweise auch starke Wellen im Meer. Es ist einer der aktivsten Gletscher, trotzdem sehr beständig. Er wächst jährlich circa 3 Meter und bricht dann wieder an Stellen ab. Zurück auf dem Schiff verbrachte ich fast den ganzen Tag im Bett. Zum Glück war am Nachmittag nicht so viel geplant. Wir fuhren mit dem Schiff weiter zum Garibaldi-Fjord und hatten dort wieder eine tolle Sicht auf den Garibaldi-Gletscher. 

14. März 2020

Ausgeschlafen und beide endlich fit, starteten wir in den vorletzten Tag. Mit dem Essen sind wir zögerlich. Sehr schade wenn man bedenkt, dass wir all-inclusive haben- ein riesiges Frühstücks- und Mittagsbuffet und am Abend ein 5-Gang-Menü. Inklusive alkoholischer Getränken. Ich hatte bisher ein kleines Glas Wein und ein Bier, Marco noch gar nichts. 

Nach einem kleinen Frühstück ging es mit dem Zodiac zum Aguila Gletscher, wo wir eine kleine Wanderung hatten und viel über die Flora und Fauna Patagoniens lernten. Am Nachmittag konnte man noch einmal mit dem Zodiac rausfahren und einen anderen Gletscher besichtigen, aber wir entschieden uns, auf dem Schiff zu bleiben und die Führung zum Maschinenraum mitzumachen. Vor dem Essen gab es noch eine Verabschiedung vom Captain.

Leider begann dann ein Drama, mit dem keiner gerechnet hatte. Um 22.30 Uhr, wir lagen bereits im Bett, ertönte eine Durchsage, dass Argentinien und Chile die Grenzen geschlossen haben wegen des Coronavirus. Wir dürften noch bis am nächsten Morgen in den Hafen in Punta Arenas, Chile einfahren, danach wäre alles zu. Die Schiffsreise sei damit automatisch beendet und unser Ausflug zu den Pinguinen am nächsten Tag gecancelt. Um 1 Uhr nachts hörten wir, wie das Schiff den Anker auswarf vor dem Hafen in Punta Arenas. Wir haben nicht wie erwartet am Hafen direkt angelegt. Irgendwie wusste ich in dem Moment, dass etwas nicht stimmt.

15. März 2020

Die Nacht war kurz. Wir erhielten die Nachricht, dass unser Schiff isoliert wurde und niemand auf oder von Board darf. Wie lange, das weiss niemand. Alle vier Stunden wolle man uns über den aktuellen Stand informieren. Marco und ich riefen jeweils unsere Botschaften an. Marco erreichte die Schweizer Botschaft erst gar nicht und seine Schwester Nadine versuchte von zu Hause aus jemanden dort zu informieren.

Die Deutsche Botschaft hatte eine Notfallnummer, bei der sich nach nur einmal klingeln Herr Lutz meldete. Er war sehr freundlich und ich war froh jemandem mitzuteilen, was los ist; er sagte aber auch, dass wir im Moment nur warten können. Auf dem Schiff hatten wir keinen TV und keine Internetverbindung. Zwei Minuten Roaming kosteten mich 150.00 CHF. Wir wussten also nicht, was in der Welt da draussen passiert. Wir hatten nur ein kleines Radio in unserer Kabine. Bekannte Lieder wurden von anderen Künstlern gesungen und wir vertrieben unsere Zeit mit dem Erraten der Lieder und kurzen Spaziergängen an Deck.

Am Vormittag wurden wir nach Zimmernummern aufgerufen, um zum Arzt zu gehen. Er sass auf dem Bett einer Gästekabine, wir auf dem Bett ihm gegenüber. Er fragte, wie es uns geht, ob wir irgendwelche Symptome haben und prüfte gleich mit 2 Geräten ob wir Fieber haben.

Am Nachmittag mussten wir uns alle in der Lounge einfinden. Wir bekamen einen Zettel und mussten erneut eintragen, wer wir sind, wo wir herkommen, wo wir hingehen, welche Länder wir bereisten und ob wir Symptome haben. Ein kleines Boot vom Hafen kam an das Schiff gefahren und nahm alle Zettel mit. Laut der Crew war das ein gutes Zeichen. Denn wenn alles passt, könnten wir laut dem Gesundheitsministerium das Schiff wohl bald verlassen.

Noch während des Abendessens bekamen wir die Nachricht, dass wir um 22 Uhr am Hafen anlegen und wir das Schiff verlassen können. Wir packten unsere Koffer und es ging los. Marco und ich waren eine der ersten Passagiere, die von Board gingen. Als wir unser Gepäck am Hafen durch die Sicherheitsschleuse brachten und das Ausgangsschild sahen, dachten wir wirklich, jetzt haben wir es geschafft. Ab zum Flughafen und nach Hause.

Aber es kam viel schlimmer. Draussen auf den Strassen von Punta Arenas brach plötzlich ein Lärm aus. Autos hupten die ganze Strasse entlang und versperrten uns den Ausgang. Die Bewohner machten einen Aufstand und wollten uns nicht in ihrer Stadt lassen. Sogar das Fernsehen war vor Ort und filmte uns. Für sie waren wir „die Kranken“, die die Stadt infizieren. Das Sicherheitspersonal schloss die Tore und wir mussten zurück aufs Schiff. Sie sagten, es sei für uns nicht sicher, den Hafen zu verlassen.

16. März 2020

Diese Nacht war noch kürzer – die Ungewissheit, das Warten und das Unverständnis, was da draussen in der Welt los ist, macht uns mürbe.

Um 8 Uhr wurde zum Frühstück gerufen. Marc, der Expeditionsleiter (er machte immer im Auftrag vom Captain die Ansprachen) kam wieder einmal mit seinem Mikrofon und informierte, dass die Lage unverändert war und wir auf weitere Informationen warten. Während in den letzten Tagen die Stimmung ausgelassen war, alle sich freuten und bei Ansprachen applaudierten, war es im Raum plötzlich ganz still.

Später traf ich den Captain auf dem Gang. Er fragte mich, wie es mir heute geht und sagte, unser Schiff stehe ganz oben auf der Prioritätenliste, um an Land zu dürfen. Wir hätten wohl Glück, da wir eine chilenische Flotte mit chilenischen Captain sind. In der Zwischenzeit hat uns Marco‘s Schwester einen Flug von Punta Arenas nach Santiago de Chile für Donnerstag (in 3 Tagen) gebucht. Früher war nichts mehr verfügbar. Informationen ändern sich hier immer mal wieder.

Am Nachmittag wurde ein Meeting mit allen 100 Passagieren einberufen und wir konnten alle unsere Fragen stellen. Alle Schiffe vor dem Hafen wurden unter Quarantäne gesetzt. Für wie lange, ungewiss. Wir sollten uns über das Essen und Trinken keine Sorgen machen, das Schiff wird versorgt. Allerdings müssten wir mit dem Schiff vom Hafen, wo wir einlaufen durften, wieder ein Stück zurück aufs Meer. Die Crew kümmert sich so gut um uns. Wir haben ein warmes Bett und Essen. Eigentlich alles, was man braucht.

Nach dem Meeting rief ich erneut die Botschaft an. Herr Udo Ebert nahm sich die Zeit, mir alles zu erklären und mich zu beruhigen. Auch er sagte mir, dass die Schiffe mit allem nötigen beliefert werden müssen. Sie lassen auf hoher See niemanden verhungern. Eine Botschafterin sei direkt vor Ort in Punta Arenas. Ich bin die einzige Deutsche auf unserem Schiff, aber vor dem Hafen gibt es ein anderes Schiff mit 70 weiteren Deutschen. Danach rief ich meine Eltern an. Es tat gut, die Stimmen von zu Hause zu hören. Am Abend konnten wir in der Lounge den Film „Toy Story 4“ schauen und konnten mal wieder richtig lachen.

17. März 2020

Der Tag begann gut, da wir zu unserem Verwundern immer noch direkt am Hafen standen, obwohl unser Schiff ja zurück aufs Meer sollte. Der Tag war geplant mit vielen Aktivitäten. Tim, ein Mitreisender, hat am Vormittag einen kleinen Vortrag über Afrika gehalten. Er ist Rentner und viel auf Reisen. Mit einem kleinen Privatflugzeug für fünf Passagiere organisiert er Ausflüge in und um Tansania. Tim zeigte uns tolle Fotos und nahm uns mit in eine andere Welt.

Am Nachmittag gab es eine Spanisch-Stunde mit Rodrigo und Sebastian von der Crew. Ich nahm fleissig teil und war froh, meinen Kopf mit neuem Wissen zu füttern. Danach sahen wir den Film „Wo steckst du, Bernadette“, indem sich eine junge Ehefrau und Mutter auf eine Reise in die Antaktis begeben. Kurz danach rief Marc erneut ein Meeting ein. Laut den Medien dürfen wir am Samstag, 21. März 2020, nach dem Mittag das Schiff verlassen. Sie raten uns, Flüge zu buchen. Wir haben unseren Flug von Donnerstag auf Samstag 18.20 Uhr umbuchen können. Es ist nichts offiziell, aber es sieht gut aus. Wir müssten direkt zum Flughafen und dürften keine Nacht in Punta Arenas bleiben.

Nach dem Abendessen gab es von 22.00 bis 00.00 Uhr Uhr eine Party auf unserem Schiff. Die Welt ist so durcheinander und alle Veranstaltungen sind gestrichen und wir tanzten in Quarantäne auf unserem Schiff zusammen mit der Crew zu Abba oder Queen und zu „I want to break free”. Die Stimmung war ausgelassen und alle freuten sich miteinander.

18. März 2020

Schon gestern vermissten wir unseren Servierer Diego beim Abendessen, auch beim Frühstück und Mittagessen, heute war er nicht da. Diego ist immer gut gelaunt und hat immer was zu erzählen. Wir haben gehört, dass jemand von der Crew krank geworden ist, und die Person plus 2 weitere aus dem gleichen Zimmer nicht arbeiten dürfen. Wir versuchen gerade alle irgendwie gesund zu bleiben. Wenn jemand krank wird, dürfen wir nicht vom Schiff.

Am Vormittag waren wir beim Yoga. Valentina von der Crew ist gelernte Yogalehrerin und die Stunde tat sehr gut und die Klasse war voll. Bei einem unserer vielen Spaziergänge an Deck sahen wir heute sogar wieder Delfine direkt beim Schiff. Uns ist auch aufgefallen, dass das grosse andere Passagierschiff, welches von der Antarktis kam und hinter uns stand, weg ist. Alicia von der Crew erzählte uns, dass es zu den Falklandinseln gefahren ist. Wie geht es für die wohl dort weiter?

Am Nachmittag gab es die 2. Spanisch-Stunde und wieder einen Film „The Good liar„.

19. März 2020

Marc rief uns an und fragte uns nach unseren Flügen nach Hause. Jeder von uns sollte Flüge direkt bis nach Hause buchen; es würde wohl geprüft werden und Chile will Ausländer wohl so schnell wie möglich ausfliegen lassen. Nadine half uns erneut mit dem Suchen von Flügen. Es gab günstige Flüge, aber alle mit umsteigen in São Paulo oder New York. Das wollten wir nicht. Wir wollten einen Flug direkt nach Europa, damit nichts mehr schiefgehen kann. Leider gab es erst etwas für nächsten Dienstag. Von Santiago nach Madrid und dann weiter nach Zürich. Da wir nicht genügend Limit auf unseren Kreditkarten hatten, riefen wir noch unsere Banken. Es hat alles gut geklappt. Am Mittag fuhr unser Schiff wie angekündigt zurück aufs Meer und ankerte vor Punta Arenas. Ein merkwürdiges Gefühl. 

Am Nachmittag ging ich wieder zum Spanisch-Kurs. Danach beobachteten Marco und ich die Enten auf dem Meer. Die Enten können 50 Sekunden lang tauchen, wir haben die Zeit gestoppt. Womit man sich so eben die Zeit versucht zu vertreiben. Danach gab es wieder einen Film „Victoria und Abdul“. Nach dem Abendessen gab es eine Cowboys Night und die Amerikaner an Board freuten sich und feierten ausgelassen. 

20. März 2020

Freitag, der letzte Tag auf dem Schiff? Wir versuchten, uns abzulenken und zu beschäftigen. Beim Frühstück war unser Kellner Diego wieder da und wir freuten uns sehr, da wir ihn richtig ins Herz geschlossen hatten. Wir tauschten auch Facebook aus, um in Kontakt zu bleiben. Wir gingen zum Yoga und machten danach lustige Fotos, in denen wir in die Luft springen, auf dem Aussendeck. 

Am Nachmittag ging ich wieder zu Spanisch und danach gab es wieder einen Film über ältere Damen die, gerne Cheerleader sein wollen. Danach berief Marc wieder ein Meeting ein, um uns auf den morgigen Tag vorzubereiten. Wir bekamen einige Zettel, unter anderem einen Brief vom Gesundheitsminister, dass wir ausreisen dürfen und einen Zettel vom Schiff, dass wir in Quarantäne waren. Wir waren nervös.

21. März 2020 

Heute war es so weit. 6 Uhr klingelte der Wecker, 6.30 Uhr Frühstück. Wir verabschiedeten Diego mit einer Umarmung, auch wenn wir das in der jetzigen Zeit nicht machen sollten. Ich verabschiedete mich auch von Karina, vom Team. Sie ist aus Chile, arbeitet eigentlich als Übersetzerin und spricht Deutsch. Wir haben uns über die letzten Tage angefreundet und tauschten auch Instagram aus.

Bis um 7 Uhr mussten die Koffer vor der Tür stehen. 7.30 Uhr parat stehen, 7.40 Uhr kamen die Busse, die uns nur ein paar Meter weiter zum Hafen brachten. Nur 20 Personen zur selben Zeit durften aussteigen. Uns wurden einem nach dem anderen Fieber gemessen und wir gaben den Zettel ab, indem wir bestätigten, dass wir keine Symptome des Coronavirus haben. Durch eine Tür hindurch stand unser Gepäck. Jeder musste seinen Koffer holen und diesen zum Scannen bringen. Dort gaben wir den zweiten Zettel ab, indem wir bestätigen, dass wir keine Pflanzen oder Tiere mit ins Land bringen. Wir gingen zum Ausgang der Halle, wo draussen wieder der Bus auf uns wartete. Das Kamerateam filmte wieder fleissig, nur dieses Mal war auch die Polizei vor Ort. Der arrangierte Bus fuhr uns direkt zum Flughafen von Punta Arenas.

Da war natürlich einiges los. Wir trafen ein paar deutsche Mädels und einen Jungen aus Österreich, sie hatten einen Flug am Morgen der storniert wurde und nun warteten sie darauf auf einen der nächsten Flüge nach Santiago de Chile zu können. Es war circa 10 Uhr am Morgen als wir am Flughafen in Punta Arenas ankamen. Unser Flug ging um 18.23 Uhr. Wir bangten viele Stunden und hatten Angst, unser Flug wird auch storniert. Wir hatten Glück und alles klappte wunderbar. Zu unserem Erstaunen waren auf unserem Flug noch Plätze frei. Die deutschen Mädchen warteten allerdings immer noch auf eine Möglichkeit zu fliegen.

Unser Flug war unruhig und die Tage auf dem Schiff waren zermürbend und ich hatte vor allem möglichen Angst. Dinge nicht planen zu können, nicht zu wissen wie die Lage in Santiago aussieht und wann wir wirklich nach Hause kommen. Unser Flug nach Zürich sollte erst am Dienstag sein, heute war erst Samstag. Ich hatte Angst, in ein Hotel zu gehen, was wenn es dort einen Virus Fall gibt? Werden wir dann wieder eingesperrt? Geht unser Flieger wirklich am Dienstag oder wird er wie unzählige andere auch storniert? Finden wir einen Flug eher und können neu buchen?

Die Flüge werden immer teuer, irgendwann können wir das nicht mehr zahlen. In Santiago waren Marco und ich völlig erledigt. Das Holiday Inn Hotel* direkt gegenüber vom Flughafen kostete 150 CHF und es war uns egal. Etwas essen und ein warmes Bett. Vielleicht noch eine Dusche. Die Erleichterung es vom Schiff geschafft zu haben und in der Hauptstadt von Chile zu sein, viel wie eine Last von unseren Schultern. Was ein Tag.

Um halb 12 Uhr nachts sassen wir im Restaurant im Hotel und assen einen Burger. Wir checkten noch einmal die Flüge und sahen den Flug von Santiago nach Paris für Sonntag – also morgen! Wir wussten, dass es Direktflüge nach Europa nur noch nach Madrid, Paris und London gab und Paris war perfekt. Der gebuchte Flug für Dienstag wäre über Madrid. Wir überlegten kurz und entschlossen uns den Flug nach Paris zu buchen – mal sehen, ob er fliegen wird oder doch storniert wird. Für 1‘100 CHF pro Person also 400 CHF pro Person günstiger. Gebucht! Wir gingen aufs Zimmer, gingen duschen und vielen wie Steine ins Bett. 

22. März 2020

Es ist Sonntag. Wir waren viel zu aufgeregt und schon vor dem Wecker wach. Ich checkte die Flüge ein und bemerkte, dass wir Premium Economy gebucht haben; super mehr Beinfreiheit hiess das für uns. Wir gingen in die Lobby und assen etwas, machten uns fertig und gingen zum Flughafen rüber. 16.30 Uhr sollte unser Flug gehen, es war halb 1 und die Schlange zur Gepäckabgabe riesig lang. Da wir Premium Economy gebucht hatten, durften wir uns in einer gesonderten Reihe anstellen. Dort hatte es nur zwei Leute vor uns. Wir haben unser Gepäck aufgegeben und bekamen einen Zettel, der uns erklärte, dass wir uns bis zum Abflug in der Flughafen Lounge aufhalten dürfen. Super!

Wir gingen noch einmal raus und trafen ein Paar aus Polen, die wir schon am Flughafen in Punta Arenas kennenlernten. Von ihm wussten wir auch von dem Air France Flug nach Paris. Leider hatten die beiden noch kein Ticket und standen auf der Warteliste. Wir hatten also Glück. Wir beschlossen bereits zum Security-Check zu gehen und bemerkten erst dann, was auf unserem Boardingpass stand. Sitzplatz Reihe 3, Business-Class! Der liebe Herr am Schalter hat uns kostenfrei upgegradet. Wir hatten zwei tolle Plätze, bei denen man richtig liegen konnte und super Essen bekam. Neben uns sass ein Deutscher, der versuchen will, weiter nach Berlin zu kommen. Die Nacht war unruhig, aber die Zeit verging schnell. 

23. März 2020

Der Paris Flughafen war wie ausgestorben. Wir machten uns per U-Bahn auf den Weg zum Hauptbahnhof. Da ging nur leider nichts. Laut App fuhr ein Zug vom Bahnhof Ost. Also wieder in die U-Bahn zum Bahnhof Ost. Dort fanden wir das Gleiche vor. Am Abend sollte ein Zug nach Strasbourg gehen, aber dann wie weiter? Nachdem wir bereits das Zugticket gekauft hatten, entschlossen wir uns doch den Flug von Paris nach Zürich am nächsten Tag zu kaufen und fuhren zurück zum Flughafen.

Paris war völlig leer, nirgendwo konnte man etwas Essen oder etwas zu Trinken kaufen. Auf den Bahnhöfen wurde jeder kontrolliert, ob er auch wirklich irgendwo hin muss. Gruselig. Am Flughafen nahmen wir uns das Moxy Hotel*. Dort das Gleiche. Es gibt kein Essen, Restaurant zu. Wir konnten uns aber zum Glück über einen Lieferdienst etwas ins Hotel bringen lassen. Das hat auch super geklappt. Geduscht und gestärkt, vielen wir schon um 20 Uhr ins Bett. 

24. März 2020

Um 9 Uhr am Morgen klingelte der Wecker. Wir machten uns fertig und gingen zum Flughafen. Es hatte genau einen Kiosk offen, mit abgepackten Sandwiches und Kaffee. Wir trafen den Deutschen aus dem Flieger vom Vortag. Sein Flug nach Berlin gestern wurde storniert und er konnte sein Gepäck nicht finden. Es fühlte sich auch niemand dafür verantwortlich. Er hat heute einen Flug nach Hause und fliegt erst einmal ohne seinen Koffer weiter. Unser Flieger nach Zürich ging pünktlich und wir konnten es nicht fassen, als wir durch das Gate gingen und endlich im Flieger nach Hause sassen. Das war der Abschluss unserer Patagonien Reise.

Fazit

Unsere Patagonien Reise werden wir wohl nie vergessen. Sie begann so schön und endete aussergewöhnlich. Die Schiffsreise mit Stella Australis ist definitiv zu empfehlen. Von der Organisation, über die Verpflegung an Board, die Ausflüge an Land sowie die Crew sind einmalig. Wer noch weitere Tipps und Empfehlungen über Argentinien und Patagonien benötigt, sollte sich unbedingt den Reiseführer von Lonely Planet zulegen.

Hattest du auch eine Reise der anderen Art? Schreib es mir in die Kommentare!

Gletscher Patagonien

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